Brianna Beißner gewinnt Silber bei der EM

Was für ein Erfolg! Die 16-jährige Ju-Jutsu-Kämpferin aus Waltrop hat am Samstag bei den U18-Junioren-Europameisterschaften die Silbermedaille gewonnen.

In der Arena Auf Schalke zeigte die Athletin des TV Einigkeit eine „Hammerleistung“, wie ihr Bundestrainer Roland Köhler bestätigte. Erstmals kämpfte Brianna als Mitglied des Bundeskaders. Mit dem Adler auf der Brust. Entsprechend groß war die Anspannung. Schließlich ging es ihr darum, die Kader-Nominierung zu bestätigen. Zuvor war ihr größter Erfolg der Sieg beim U15-World-Cup in Bukarest. Jetzt aber auf Schalke, quasi vor der Haustür, war das für Brianna Beißner noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

Mentale Stärke
Und ihre mentale Stärke war gefragt. Ursprünglich sollten die Wettbewerbe der U18-Juniorinnen in der Disziplin „Fighting“ bis 70 Kilo um 13.15 Uhr starten. Konzentriert bereitete sie sich mit ihrem Vater Jan, der zugleich Landestrainer beim Verband ist, vor. Dann die Nachricht: Es wird später, viel später. Jetzt galt es, sich warm zu halten. Und sich nicht ablenken zu lassen. Um 15.54 Uhr hieß es dann: Auf Matte zwölf würden noch sechs Kämpfe ausgetragen, dann sei Brianna an der Reihe. Ursprünglich lagen für ihre Konkurrenz elf Anmeldungen vor. Zwei Athletinnen flogen raus, weil sie beim Wiegen zu schwer waren. Nicht so bei der 1,80m großen, durchtrainierten Brianna. Bei ihr wurden 69,1 Kilo notiert.

Gewicht überschritten
Sieben Konkurrentinnen erhielten für die erste Runde ein Freilos, Brianna Beißner musste sich gegen die Griechin Emmanouela Drakoulaki behaupten. Um 16.45 Uhr ¨– dreieinhalb Stunden nach der ursprünglich angesetzten Zeit. Brianna kannte ihre Gegnerin nicht. Nach einem kurzen Abtasten spielte Brianna ihre Trümpfe aus: „Sie ist eine Allrounderin“, so Heimtrainer, Vertrauter und Papa Jan Beißner. Dieser Kampf endete nach drei Minuten 13:13, weil Brianna aber am Boden eine Ippon-Wertung bekam, entschied sie diesen Kampf für sich.

Nach 49 Sekunden ist Schluss
Gegen die Slowakin Tina Pelc war der Kampf nach 49 Sekunden beendet. Brianna kämpfte clever und selbstbewusst und war somit eine Runde weiter. Kurzen Prozess machte sie auch im Halbfinale mit ihrer Gegnerin Sofia Fernandez Benito aus Spanien. Sie trat unmissverständlich auf, und nach 51 Sekunden stand fest: Brianna steht im Finale. Die 16-Jährige hatte es tatsächlich geschafft, bei ihrer internationalen Premiere als Bundeskader-Athletin sich so erfolgreich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Neben der U18-EM liefen parallel die Wettbewerbe der German Open. Zum Ende des ersten Wettkampftages wurden die Sieger geehrt. Für 18.40 Uhr war Briannas Finale angesetzt. Erneut sie warten.

Lange Wartezeit
Genauso wie ihre Final-Gegnerin Renata Yakubova aus Russland. Sie standen eine gefühlte Ewigkeit an der Matte. Immer wieder erklangen die Nationalhymnen durch das große Rund der Arena. Die italienische, die französische, dann die russische und direkt vor Briannas Kampf die deutsche. Ob das ein gutes Omen für ihr Finale sein würde? Nein. Brianna lag mit 1:7 zurück. Bundestrainer Köhler rief ihr zu: „Du musst explodieren!“ Brianna lag jedoch weiterhin 3:11 und 5:13 zurück. Dann waren nur noch vier Sekunden zu kämpfen. Köhler rief: „Hop oder top“. Um zu gewinnen, hätte sie je einen Ippon in Part I und Part II zeigen müssen. Allerdings schaffte sie nur noch den schwierigeren in Part II. „Sie hätte dieses Finale auch durchaus gewinnen können“, urteilte Bundestrainer Köhler nach dem Kampf. Die Enttäuschung währte aber nur sehr kurz: „Sie hat hier eine geniale Leistung gezeigt. Es hat mich total gefreut, dass sie das Finale erreicht hat und jetzt Silber gewonnen hat.“

Quelle: Waltroper Zeitung